Interview & Udate zu Ebola

Update:

Seit Mitte April 2015 ist die Schule wieder geöffnet worden und Sierra Leone ist seit Anfang November Ebola frei.
Das Leben in der Schule hat sich seitdem wieder normalisiert. Besonders froh sind wir darüber, dass alle unsere Schüler und unsere Lehrer von Ebola verschont wurden!

An dieser Stelle vielen Dank an alle, die uns im Kampf gegen Ebola geholfen haben!

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Interview mit Maria Walz – 1. Vorsitzende von WaMaGriSo e.V. am 04.09.2014


Maria, Du bist seit 4 Wochen zurück aus Sierra Leone, was kriegst du von Ebola mit?

Im Juli, als ich vor Ort war, war die Lage in Freetown und Umgebung noch entspannt obwohl die Situation mit Ebola sich schon im Norden des Landes in einer kritischen Phase befand. Die Einheimischen haben sich einen Spaß mit Ebola gemacht. Manche Leute haben auf der Straße gerufen: „Ich habe Ebola, ich habe Ebola, bitte berühr mich nicht“, um in Quarantäne an Lebensmittel heran zukommen. Die Gefahr wurde gar nicht erkannt, da es an der Aufklärung fehlt. Es werden Quarantäne Gebiete ausgesprochen und dann aber diese Gebiete nicht mit Essen versorgt. So kommt zu dem tödlichen Virus noch der Hunger dazu. Die Leute werden dadurch aggressiv, brechen aus der Quarantäne aus und somit wird der Ebola Virus immer weiter verbreitet. Den Ernst der Lage verstehen die meisten Leute - zumindest auf dem Land - nicht mal heute. Die Dorfbewohner haben Angst vor den Menschen in den weißen Schutzanzügen. Manch Einheimischer denkt, dass die Helfer in weiß schuld sind, dass dort wo die Helfer auftauchen Menschen sterben. Wie ich schon sagte: es fehlt an Aufklärung!

Die Minister der Regierung haben uns im Mai noch ausgelacht, als wir vor der Epidemie gewarnt haben.
Es gibt kaum Schutzanzügen, Handschuhen und Desinfektionsmitteln für einheimische Helfer. Es fehlt an mobilen Quarantänestationen und Labors, geschultem Personal usw. Viele einheimische Ärzte, Krankenschwester und Helfer sind gestorben, weil sie nicht die nötige Schutzkleidung hatten, welche jedoch von der Regierung zur Verfügung gestellt werden sollte. Jetzt streiken viele von ihnen, weil sie kein Gehalt bekommen und immer noch auf die so dringend benötigten Schutzmittel warten. Das Pflegepersonal hat Angst um ihr Leben, was natürlich auch verständlich ist. Das Gesundheitssystem ist einfach marode, das wissen die UN, UNICEF usw. Daher wäre es nützlich, nötiges Equipment und geschultes Personal nach Sierra Leone zu schicken.

Das schlimme ist, dass die Regierung so gut wie nichts macht. Ich bin schon 12 Jahre in Afrika, davon seit sieben Jahre in Sierra Leone. In diesen 7 Jahren wurde weder für das Bildungswesen noch für das Gesundheitssystem etwas gemacht. Obwohl viele Millionen Dollar in das Land geflossen sind...

Wie geht es den Kindern deiner Schule?
Im Moment noch gut. Ich hoffe, dass es die Krankheit nicht bis in unser Dorf schafft. Die Regierung hat angeordnet, dass die Sommer-Schulen nicht stattfinden. Es darf auch keine Versammlungen und Zusammenkünfte geben. Fußball spielen zum Beispiel ist verboten. Und laut aktuellem Stand werden die Schulen voraussichtlich erst wieder im Januar 2015 geöffnet.

Wie schützt Du Dich selbst?
Man wäscht sich jetzt öfter die Hände als sonst und benutzt danach noch Desinfektionsmittel. Körperkontakt versuche ich so gut es geht zu vermieden. Aber das ist einfach schwer in Afrika. Im Taxi berührt man sich ständig und auf der Straße begrüßt man sich herzlich.

Hast Du keine Angst?
Nein, was soll passieren? Du steckst dich nur an, wenn du engen Kontakt mit Infizierten hast. Das versuche ich zu vermeiden und gewisse Grundregeln doppelt zu beachten. Wir werden gebraucht.

Wie kann man helfen?
Es werden dringend Schutzanzüge (5B+6B) sowie Schutzbrillen, Mundschutz (FFP3), Handschuhe, kontaktlose Fieberthermometer und Desinfektionsmittel benötigt. Ich wäre sehr dankbar über diese Spenden. Natürlich kann auch mit Geldspenden geholfen werden, sodass ich dann die Hilfsmittel besorgen kann. Ich werde diese schnell und unbürokratisch zu den Helfern nach Sierra Leone versenden. Mein Lebensgefährte John Sesay aus Sierra Leone verteilt diese dann dort vor Ort. Ich selbst plane im Oktober wieder runter zu fliegen, wenn alles klappt.
Wir müssen jetzt ganz schnell handeln! Man weiß nicht, wie lange die Fluggesellschaften noch fliegen und es möglich sein wird die Bevölkerung mit Hilfsmitteln zu versorgen. Britisch Airways und Air France fliegen schon nicht mehr. Brussels Airlines und Air Maroc sind die einzigen, die Salone noch ansteuern. Brussels Airlines fliegt aber offiziell nur noch bis zum 19. September. Die Zeit drängt! Dort unten sterben Menschen!
Präsident Ernest Koroma könnte mit seinen Millionen helfen!

Du forderst den Präsidenten zum Handeln auf?
Na klar! So geht es nicht weiter, wie er mit seinem Land und Volk umgeht.
Er gibt Geld für neue Straßen aus. Aber im Bildungs- und Gesundheitssystem passiert gar nichts. In den meisten staatlichen Krankenhäusern gibt es kein fließendes Wasser und teilweise keinen Strom.
Ich hoffe und bete, dass sich durch das Ebola Virus auf diesem Gebiet die Lage bessert und die Regierung endlich handelt.

Danke für das Gespräch Maria!


Weiterführende interessante Artikel zum Thema Ebola und Korruption:

http://www.faz.net/aktuell/politik/sierra-leones-praesident-spaet-reagiert-13076912.html



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