Vor Ort
Besucherbericht Kristina Maria Metzger - September 2017
13.03.2018 - 21:03

Sierra Leone - WamaGrsio Community School -

„Es gibt Dinge, die kann man nicht erzählen“ – so der Titel eines Buches von Kirsten Boie, die Geschichten von Kindern aus Afrika erzählt.
Und jetzt sitze ich hier und möchte einen Bericht über meine Zeit in Sierra Leone schreiben und nun wird mir klar was der Titel des Buches wirklich bedeutet.
Man muss schon irgendwie dort gewesen sein um das alles zu verstehn und es gibt wirklich Dinge, die kann man nicht erzählen, aber man kann es versuchen.

Am 07.09.2017 begann meine Reise in das berühmt berüchtigte Sierra Leone, für 3 ½ Monate hatte ich beschlossen dort zu bleiben um in der WaMa GriSo School zu arbeiten. Meine Aufgabe dort sollte es sein, den Lehrerinnen im Kindergarten zu zeigen, wie wir Europäer mit den Kindern arbeiten. Wie und was wir mit ihnen spielen und unter anderem auch wie man unsere Spielsachen benutzt. Denn als ich angekommen bin wussten die Kinder weder was ein Memory oder ein Puzzle ist. Für mich hatte sich das damals ziemlich einfach angehört und ich habe mich trotz aller Aufregung sehr auf diese Erfahrung gefreut. Weil ich alles einfach auf mich zukommen lassen wollte habe ich mich weder über die Leute noch über das Land groß informiert.
Und dann kam ich an, natürlich erlitt ich erst einmal einen kompletten Kulturschock, aber was hatte ich erwartet ich war ja schließlich in Afrika.
Nach zwei Tagen Ausruhen stand auch schon der erste Schultag vor der Türe. Ich hatte zuvor ein Jahr in einer Schule für geistig behinderte Kinder gearbeitet und wusste schon ein bisschen wie es in einer Schule abzulaufen hat.
Aber nicht in Afrika und vor allem nicht in Sierra Leone! Was für mich wie das reinste Chaos wirkte, war für die Einheimischen ein gelungener erster Schultag. Und dann realisierte ich erst wirklich, dass ich jetzt in einer komplett anderen Welt lebe, fernab von allem was ich davor kannte. Die kulturellen Unterschiede wie zum Beispiel die „Gelassenheit“ der Afrikaner waren für mich anfangs sehr schwer zu akzeptieren und ich musste mich auch immer wieder dazu motivieren mit Elan an meine Arbeit heran zu gehen.
Obwohl alle meine Arbeitskolleginnen ( & die Sierra Leoni allgemein) sehr nett waren und sich angestrengt haben mit mir zusammen zu arbeiten, war es doch manchmal sehr schwierig miteinander zu kooperieren. Es ist eben nicht so einfach wenn zwei Kulturen aufeinander treffen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und manchmal machten mich die Leute und ihre Kultur wahnsinnig und ich fing an über mich selbst zu lachen, bei dem Gedanken daran wie ich zu Hause in Deutschland saß und mir das hier alles „einfach“ vorgestellt hatte.
Doch trotz allen Anstrengungen und dem ganzen Wahnsinn drumherum habe ich meine Arbeit mit den Kindern dann irgendwann sehr liebgewonnen. Auch wenn es für mich anfangs sehr schwierig war ihr Temprament zu bändigen oder mich überhaupt mit ihnen zu verständigen haben sie doch den ein oder anderen Ratschlag von mir angenommen. Und wenn die Kleinen dann jeden morgen auf mich zugerannt gekommen sind und mich fest in den Arm genommen haben, wusste ich, dass ich an der WaMa GriSo Schule genau am richtigen Ort war. Nach einigen Wochen haben sich schon kleine Veränderungen im Verhalten der Kinder gezeigt. Sie haben angefangen „richtig“ zu spielen und mir ganz stolz ihre Puzzles und Legotürme präsentiert. Diese kleinen Veränderungen zu sehen, macht einen unglaublich glücklich und lässt alle Anstrengungen für einen Moment in Vergessehnheit geraten. Denn diese Kinder sind bereit von dir zu lernen, egal woher du kommst oder wie du aussiehst. Sie halten dir einen Spiegel vor und wenn du ihnen mit Liebe begegnest kommt auch Liebe von ihnen zurück! Ich hatte eine wunderschöne Zeit in Sierra Leone und bin froh, dass ich am Anfang nicht gleich aufgegeben habe. Denn wenn man sich ersteinmal an die kulturellen Unterschiede gewöhnt hat beginnt man das Land und die Leute zu lieben.

Ich kann diese Erfahrung nicht wirklich in Worte fassen aber ich bin froh, dass ich mich dazu entschieden habe nach Sierra Leone an die WaMa GriSo Schule zu gehen und zu helfen. Es ist ein tolles Projekt bei dem das Geld genau da ankommt wo es gebraucht wird, doch was noch wichtiger ist als Geld sind Menschen wie Maria Walz die es sich zur Aufgabe gemacht haben in einem Land wie Sierra Leone etwas aufzubauen um den Menschen dort zu helfen. Und nach diesen 3 ½ Monaten weiss ich nun, wie schwer das sein kann, wie viel Ausdauer, Schweiss und manchmal auch Tränen dahinter stecken. Doch das wichtigste ist sich auf die kleinen Erfolge zu konzentrieren und immer weiter zu machen und deshalb hoffe ich, dass noch viele weitere engagierte Menschen dieses Projekt nicht nur mit ihrem Kapital sondern auch mit ihrer Hilfe vor Ort unterstützen werden!

Von Kristina Maria Metzger






Administrator Steffi


gedruckt am 19.04.2018 - 23:17
http://www.wamagriso.de/include.php?path=content&contentid=76